Potenzialanalyse
Siedlungs- und Verkehrsraum
Mit einer Bodenfläche von knapp 323 km² und einem Anteil der Vegetationsfläche von rund 90 % weist die Region einen stark ländlichen Charakter auf. Siedlungs- und Verkehrsflächen nehmen dabei nur einen kleineren Teil ein, wobei die Große Kreisstadt Rothenburg o.d.T. das urbane Zentrum bildet. Durch größere Siedlungserweiterungen in der Vergangenheit sind vor allem Orte im verkehrsgünstigen Stadtumland (wie Neusitz, Gebsattel oder Insingen) gewachsen. Im Osten der Allianz hat sich Colmberg unter anderem durch die Nähe zu Ansbach stark entwickelt. Eine zentrale Herausforderung für die Zukunft besteht heute im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach neuen Baugebieten und dem drohenden Leerstand in den Ortskernen, weshalb die Region künftig verstärkt auf Programme zur Innenentwicklung setzt.
Landschafts- und Naturraum
Landschaftlich ist das Kooperationsgebiet durch zwei Naturräume geprägt, getrennt durch eine markante Geländestufe östlich der Autobahn A7. Im Westen erstreckt sich die flachwellige Hohenloher und Haller Ebene (Ursprungsgebiet der Tauber), im Osten liegt die Frankenhöhe mit der Oberen Altmühl und dem Colmberger Becken. Fast das gesamte Gebiet ist Teil des Naturparks Frankenhöhe. Da die Region zur „Klimaregion Mainregion“ zählt, rücken der Klimaschutz und die Anpassung an zunehmende Hitze- und Trockenperioden sowie Starkregenereignisse als neue, entscheidende Handlungsfelder stark in den Fokus.
Erschließungsstruktur
Das engmaschige regionale Wegenetz wird von überregionalen Verkehrsadern (wie der BAB A7 sowie den Bundesstraßen B13 und B470) überlagert, die eine leistungsfähige Anbindung an benachbarte Räume herstellen. Der öffentliche Nahverkehr (VGN) und Bahnanbindungen (z. B. der RE82 in Steinach) erschließen die Region. Um Mobilitätslücken in den kleineren Ortschaften zu schließen und eine Alternative zum eigenen Auto zu bieten, setzt die Region künftig auf innovative Ergänzungen wie Carsharing-Angebote und einen von Ehrenamtlichen betriebenen Bürgerbus.
Bildung, Versorgung und Gesundheit
Die Einwohnerzahl der ILE-Region ist mit rund 24.800 Menschen (Stand 2023) erfreulich stabil, jedoch steigt im Zuge des demographischen Wandels der Anteil der über 65-Jährigen auf mittlerweile 23,3 %. Die Angebote für Kerninfrastruktur, medizinische Versorgung (Klinik) und Bildung (wie weiterführende Schulen und der wachsende „Campus Rothenburg“ der Hochschule Ansbach) konzentrieren sich stark auf Rothenburg o.d.T.. Die Sicherung der Daseinsvorsorge, insbesondere der Pflegeangebote und der Nahversorgung in den ländlichen Gemeinden, ist daher ein zentrales Handlungsfeld. Lokale Direktvermarkter und Hofläden nehmen hierbei eine immer wichtigere Rolle ein.
Baukultur und Events
Das baukulturelle Erbe – allen voran die regionaltypische Fachwerkarchitektur – prägt das Gesicht der Ortskerne, schafft Identität und ist ein Tourismusmagnet. Die Bewahrung dieses Erbes und die Vermeidung von Leerständen (z. B. über das Projekt „Neues Leben im alten Haus“) sind entscheidende Chancen für die Revitalisierung der Altorte. Getragen wird das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Region maßgeblich von einem überaus aktiven Vereinswesen, das jedoch bei Herausforderungen wie der Nachwuchsgewinnung und der Digitalisierung künftig stärker interkommunal unterstützt werden soll.
Wirtschaft und Arbeit
Durch die Lage nahe der Metropolregionen Nürnberg und Stuttgart verfügt das Allianzgebiet über eine starke Wirtschaftskraft. Die Zahl der Arbeitsplätze ist seit 2008 deutlich auf über 10.000 (Stand 2023) gestiegen. Neben der Stadt Rothenburg o.d.T. verzeichnen auch Orte wie Insingen, Steinsfeld, Buch a. Wald und Windelsbach ein starkes prozentuales Arbeitsplatzwachstum. Geprägt ist die Wirtschaft zu über 90 % von familiengeführten Unternehmen, der Kunststoffbranche sowie dem wachsenden Tourismus. Zukünftige Aufgaben liegen in der Bekämpfung des spürbaren Fachkräftemangels und der Schaffung attraktiver Perspektiven für junge Menschen.
Landschaftsstruktur
Die heute noch vorhandenen Kulturlandschaftsrelikte (wie Streuobstwiesen) sind Teil der Geschichte und stark identitätsstiftend. Taubertal, Altmühl und die Frankenhöhe bilden hierbei die Leitlinien. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und extreme Wetterereignisse gefährden diese Biodiversität. Um die Landschaft resilienter (widerstandsfähiger) zu machen, forciert die ILE-Region den Ausbau eines intelligenten Wassermanagements (z. B. Hochwasserschutz und Regenwasserspeicher) sowie die konsequente Förderung erneuerbarer Energien, bei denen die Region bereits heute überdurchschnittlich gut aufgestellt ist.
Wege und Routen
Insgesamt ist das Allianzgebiet mit Fernwanderwegen und Fernradwegen (wie Romantische Straße, Altmühltal-Radweg, Jakobsweg) sehr gut erschlossen. Zukünftig gilt es, Lücken im regionalen Netz (insbesondere in Nord-Süd-Richtung) zu schließen und die Routen mit E-Ladeinfrastruktur sowie Rast- und Gastronomieangeboten aufzuwerten. Ziel der Allianz ist es, durch gut vernetzte Wege touristische Ströme gezielt aus der Stadt Rothenburg in die landschaftlich reizvollen Umlandgemeinden zu lenken.
